Oberpfaffenhofen und drumherum

Internationaler Standort

Wie alles begann

Claude Dornier

Der Start des kleinen Weßlinger Ortsteils Oberpfaffenhofen als international bekannter Technologiestandort geht auf Claude Dornier (geboren 14. Mai 1884 in Kempten, Region Allgäu, gestorben 5. Dezember 1969 in Zug, Schweiz) und die in seinem Werk entwickelten Flugzeuge zurück. Vor dem Bau des Flughafens im Jahr 1936 bestand der Ort lediglich aus sechs Höfen, einer Kirche und einem Wirtshaus - und zählte 42 Einwohner (heute rund 1900). Dornier, als bedeutendste Firma im deutschen Flugzeugbau, beschäftigte zu Hochzeiten im Jahr 1980 rund 10000 Mitarbeiter in Oberpfaffenhofen. Interne Turbulenzen führten dazu, dass Dornier 1985 von Daimler-Benz übernommen und in die EADS integriert wurde.
Es folgte eine turbulente Zeit, während der stets die Zerschlagung des Werks wie ein Damoklesschwert über der Firma schwebte. Die Folge waren Entlassungen. Für Aufbruchstimmung sorgte kurz Fairchild-Dornier. Die Amerikaner hatten das Werk in Oberpfaffenofen 1996 übernommen und den 328 Turboprob als 328Jet weiterentwickelte.
1999 wurde das Unternehmen ohne Änderung des Namens an Clayton, Dubilier & Rice, die Allianz-Tochter Capital Partners und ein deutsches Bankenkonsortium verkauft. Hoffnungsträger war das 728-Programm, das nie zu Ende gebracht wurde. 2002 meldete Fairchild-Dornier Insolvenz an. Es hatten sich mehr als drei Milliarden Euro Entwicklungskosten angehäuft, ohne Aussicht, dass jemals Mittel zurückfließen werden. Da es dem Insolvenzverwalter nicht gelang, für das Gesamtunternehmen einen Käufer zu finden, wurden Teilbereiche veräußert. Über viele Jahre war ungewiss, was nun aus dem Standort Oberpfaffenhofen werden soll.

 

Glücksfall für die Region

Die Frierichtshafener Straße...

Besonderheit: linke Seite gehört zur Gemeinde Gilching, die rechte Seite wird Oberpfaffenhofener (Gemeinde Weßling) zugerechnet

Gilching (Mai 2016) – Als wahrer Glücksfall entpuppte sich für die Gemeinde Gilching der Ausstieg der Gemeinde Weßling aus dem ursprünglichen Planungsverbund, dem die Anliegergemeinden Gilching, Gauting und Weßling angehörten.
In einer Art Zweckverband sollte Anfang des 21. Jahrtausends auf dem Sonderflughafen Oberpfaffenhofen ein gemeinschaftliches Gewerbegebiet mit gleichmäßiger Verteilung der Gewerbesteuereinnahmen entstehen. Heute hat Weßling das Nachsehen. Es war eine Bürgerinitiative, die sich 2001 vehement gegen ein Gewerbegebiet auf dem Sonderflughafen Oberpfaffenhofen wehrte und durch einen Bürgerentscheid den Ausstieg der Gemeinde Weßling aus dem Planungsverbund verursachte. Überhört wurden seinerzeit auch die Warnungen des damaligen Bürgermeisters Hans-Thomas Mörtl, dass Gilching und Gauting das Vorhaben auch ohne Weßling fortsetzen werden. Nach dem Ausstieg Weßlings übernahm die Regierung von Oberbayern die Planungshoheit. Der Planfeststellungsbeschluss für ein Gewerbegebiet mit rund 550.000 Quadratmeter Geschossfläche, weit mehr, als eigentlich durch die Gemeinden geplant war, wurde im April gefasst. Gilching und Gauting jedoch erhielten seitens des Flughafeneigners EADS je ein eigenes, vom Flughafengelände abgetrenntes, Gewerbegebiet zugewiesen. Während die Gautinger Fläche von rund fünf Hektar noch brach liegt, hat sich entlang der Friedrichshafener in Gilching auf rund 20 Hektar ein hochwertiges Gewerbegebiet entwickelt - federführend dabei war und ist das Vorzeigeobjekt ASTO-Park.

 

Neue Besitzer sind gefunden

Hendrik Staiger, neuer Eigentümer des Flughafens

Dass das ungeliebte Kind Flughafen seitens der EADS verkauft werden soll, stand seit der Pleite von Fairchild-Dornier fest. Dennoch überraschte dann doch, als im Dezember 2016 eröffnet wurde, eine Investorengruppe habe sämtliche Grundstücke beziehungsweis die Airbus-Group-Anteile an der EDMO-Flughafenbetreibergesellschaft übernommen.

Die Resonanz im Landkreis Starnberg war allgemein positiv. Mit der Übernahme der erfolgreich agierenden BEOS AG in Kooperation mit der TRIWO AG sei eine langfristige Entwicklung des traditionsreichen Sonderflughafens gewährleistet, versichert Airbus-Group, die frühere Eigentümerin. Die neuen Besitzer haben sich mittlerweile bei den Bürgermeistern der Anlieger-Gemeinden vorgestellt. Gilchings Bürgermeister Manfred Walter sieht zudem eine reelle Chance, auf dem Flughafenareal auch Gautings Gewerbe anzusiedeln. Seiner Meinung nach könnte dann auf das geplante großflächige Gewerbegebiet angrenzend an das Gewerbegebiet Gilching Süd verzichtet werden. Dem hat Gautings Bürgermeisterin mittlerweile widersprochen und erklärt, dass der Großteil der für Gewerbe vorgesehenen Flächen auf Weßlinger Flur liegen. Tatsächlich sind laut Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahre 2004, der noch einmal im Jahr 2007 gerichtlich bestätigt wurde, 550.000 Quadratmeter Geschossflächen, genehmigt. Theoretisch dürfte dort sofort mit den Bauarbeiten begonnen werden. Einzige Einschränkung: Ansiedeln darf sich nur luftfahrtaffines Gewerbe. „Der Werks- und Forschungsflughafen Oberpfaffenhofen ist ein wichtiger Standort für zahlreiche Unternehmen und Institutionen aus dem Bereich Luft- und Raumfahrtindustrie. Daher werden wir gemeinsam mit unserem Partner TRIWO den Sonderflughafen kontinuierlich weiter entwickeln und den Betrieb langfristig sichern“, erklärte Katja Rüdiger, Leiterin der BEOS AG, Standort München.