Oberpfaffenhofen und drumherum

audEENERING

Dagmar Schuller und ihr Team

Ekkehard Fabian (sitzend, rechts) ist beigeistert von der Ideenschmiede audEENERING

EUROPAWEIT FÜHREND

Es dauert nur wenige Sekunden, bis Dagmar Schuller in Fahrt kommt. Zumindest dann kennt ihre Begeisterung keine Grenzen, geht es um die Themen intelligente Audioanalyse und emotionale künstliche Intelligenz. Ein gleichermaßen faszinierendes wie auch heikles Thema. Kritiker befürchten, den Mensch auf Dauer zu entmachten. Befürworter sehen eine sinnvolle Entwicklung, um insbesondere im medizinischen Bereich Menschen mit Handicaps weiter zu helfen. Schuller ist Mitbegründerin von audEERING mit Sitz in Gilching. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 53 Mitarbeiter.

Dem Gründer-Team um Schuller, CEO des Startups, gehören außerdem noch Professor Björn Schuller, Florian Eyben, Martin Wöllmer sowie Felix Weninger an. „Gemeinsam teilen wir mehr als zwanzig Jahre Erfahrung auf dem Gebiet Audio Intelligence. audEERING ist 2012 aus unserer Forschungsarbeit an der TU München entstanden“, betont Schuller. Damals waren Florian und Martin die ersten Doktoranden am Lehrstuhl für Mensch-Maschine-Kommunikation, Björn leitete als deren Doktorvater eine Forschungsgruppe. „Hier haben wir unsere erste Forschungsgruppe open-source Lösung ‚openSMILE‘ entwickelt. Sie gilt mittlerweile weltweit als das Standard-Toolkit für Emotionserkennung aus dem Audiosignal. Aufgrund des großen Erfolges und unserer Überzeugung, dass empathische Assistenten, intelligente Audioanalyse und künstliche Intelligenz unsere Zukunft wesentlich beeinflussen werden, haben wir uns entschieden, audEERING zu gründen.“

Der Erfolg gibt den engagierten Wissenschaftlern Recht. Darf man ihr Unternehmen durchaus als europaweit führend betrachten. So kompliziert das Thema auch klingt, so logisch stellt es sich bei näherer Betrachtung dar. Zu Grunde liegt die menschliche Stimme, die anhand von mehr als 6000 Merkmalen über Charaktereigenschaften, den gesundheitlichen Zustand und die emotionale Verfassung Auskunft geben. Um ein Beispiel heranzuziehen: Besteht der Verdacht auf Alzheimer oder Demenz, kann dies durch eine Audio-Analyse frühzeitig erkannt und entsprechend reagiert werden. „Wir investieren viel Energie in unsere Forschungsprojekte in der Prävention von Krankheiten wie eben Alzheimer, Parkinson oder Burnout“, erklärt Schuller. Wobei ein verantwortungsvoller Umgang Priorität habe. „Im Fokus unserer Arbeit steht immer der Mensch und der Wille, das große Potenzial von intelligenter Audio-Analyse für die Gesellschaft verantwortungsvoll anwendbar zu machen.“

Begeistert vom unternehmerischen Geist, gepaart mit sinnvollem Forschungsauftrag zeigte sich unter anderem Ekkehard Fabian, Geschäftsführer bei ASTO-Park. Dort ist das Unternehmen seit vier Jahren angesiedelt. „Der Bereich, wo die Audioanalyse angewandt werden kann, ist grenzenlos“, betont er. Unter anderem könne beispielsweise bei Piloten sofort eine Stimmungsschwankung oder sogar ein drohender Herzinfarkt anhand der Stimme, die sich nur um Nuancen verändert haben muss, festgestellt und sofort auch gehandelt werden.“ Vor wenigen Tagen wurde die Leistung von audEERING mit dem Bayerischen Innovationspreis 2018 gewürdigt. Uli Singer